In den frühen Morgenstunden des 4. Februar 2006 verlässt eine Gruppe junger Leute nach durchfeierter Nacht bei Freunden das Haus. Einige gehen zur U-Bahn, die Anderen machen sich auf den Weg zur nächsten Party in der nahegelegenen Straße Sant Pere Mes Baix. Beim Einbiegen in die Straße sehen sie, wie sich vor der Tür ihres Zielortes, dem besetzten Haus "El Teatro", eine Menschenansammlung eine Diskussion mit Beamten der Guardia Urbana liefert, einer der vielen hier tätigen Polizeieinheiten. Als sie sich der Menge nähern, stürmen die Polizisten unerwartet los und greifen die Ankommenden ohne erkennbaren Grund und ohne Vorwarnung an schlagen sie schwer zusammen. Die jungen Leute versuchen wegzulaufen, schaffen es jedoch nicht, den Schlägen der Polizisten zu entkommen. Vom Balkon des besetzten Hauses beginnen daraufhin Leute, verschiedene Sachen nach unten zu werfen. Nachdem das erste große Chaos vorüber ist, ergibt sich diese Bilanz: sieben Verhaftete und ein Polizist im Koma. Zwei weitere Personen, die sich nicht einmal in der Nähe des Geschehens aufgehalten hatten, wurden nachträglich nach 2 Fahrradunfällen aus Krankenhäusern heraus verhaftet, weil sie verletzt waren und die Polizei sie ihrem Äußeren nach für Hausbesetzer hielt. Alle neun Festgenommenen wurden auf der Polizeiwache von Beamten der verschiedenen Einheiten Guardia Urbana und Mossos d'Esquadra gefoltert.
In der ersten offizielle Presseerklärung spricht die Stadtverwaltung von einem Blumentopf, der, vom Balkon des Hauses "El Teatro" geworfen, den Polizeibeamten am Kopf getroffen habe. Diese Version wurde dann mehrmals geändert, bis man die aktuelle verbreitete, welche besagt, die schwere Verletzung des Polizisten rühre daher, dass die drei noch in Untersuchungshaft Sitzenden von der Straße aus die Beamten mit Steinen angegriffen haben, mit dem Vorsatz, sie zu töten.
Die einzigen "Beweise" - Steine - wurden außerhalb des direkten Tatortes aufgesammelt, "nach dem Zufallsprinzip", wie der ausführende Beamte erklärte. Der "Tatort" wurde nicht abgeriegelt und noch vor Ausführung einer wissenschaftlichen Spurensuche durch die Müllabfuhr gereinigt. Zudem haben Spezialisten erklärt, die Verletzung sei zu schwerwiegend, um durch einen kleinen von der Straße geworfenen Stein verursacht worden zu sein.
Wie können drei Menschen bei derartigem Mangel an Beweisen in Haft behalten werden? Die Polizei lügt bei ihren Aussagen zum Tathergang, um die Verantwortung der Stadt Barcelona als Eigentümerin des "El Teatro"-Gebäudes zu verdecken. Sollte der Polizist wirklich durch einen aus dem Gebäude heraus geworfenen Gegenstand verletzt worden sein, so läge die Verantwortung hierfür bei der Stadtverwaltung. Ein weiterer Faktor ist das Haus selbst: Das sich auch als "Anarko-Penya" bezeichnende Haus hat mehr mit mafiösen Strukturen zu tun, als mit Anarko. Es stand jahrelang unter der Kontrolle von zwei bis drei Einzelpersonen, die es regelmäßig nutzten, um darin zu ihrem eigenen finanziellen Nutzen riesige kommerzielle Rave-Partys abzuhalten, und mit den politischen HausbesetzerInnen im Viertel nichts zu tun hatten. Wegen oder vielleicht gerade aufgrund dieser mafiösen Strukturen hat die Stadt nahezu 4 Jahre lang über die dauernden Beschwerden von durch die Raves entnervten Nachbarn hinweggesehen. Praktischerweise erlaubt diese passive Haltung der Stadtregierung nun, den politischeren Teil der HausbesetzerInnenbewegung zu kriminalisieren.
Nicht lange vor dem 4. Februar waren in Barcelona das Gesetz über den sogenannten "incivismo", das unzivilisierte Verhalten, in Kraft getreten. Die Behörden erhalten dadurch beinahe uneingeschränkten Handlungsfreiheit bei der Auslöschung des "Kulturlosen per Gesetz" aus dem Stadtbild, d.h. der Skater, Hausbesetzer, Prostituierten, Graffitisprüher usw.
Die Stadtregierung von Barcelona macht sich nun das Leid von 4 Familien (der drei Inhaftierten sowie des Polizisten) zu Nutzen, um ihre politische Agenda durchzudrücken. Barcelonas Oberbürgermeister Joan Clos versucht zusammen mit dem Parteivorsitzenden der Partido Popular de Barcelona, Fernando Albert Diaz, die Stadt von dem "Hausbesetzer-Wahnsinn" und anderen Gruppen zu säubern, welche ihren Ordnungsvorstellungen und ihrem Weltbild entgegenstehen.
Die Ereignisse von Sant Pere Mes Baix sollen nun als Freischein für noch mehr Repression in Barcelona herhalten. Was dort vorgefallen ist, hätte Jede und Jeden von uns treffen können. Wir sind alle schuldig, wir sind alle MigrantInnen, ausgegrenzt, ausgebeutet, arm und marginalisiert.
FREIHEIT FÜR DIE GEFANGENEN VOM 4. FEBRUAR !!!
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